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| Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen: Eine radikale Kapitalismuskritik
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Berechtigte Kapitalismuskritik
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen: Eine radikale Kapitalismuskritik (Taschenbuch) Angesichts der Diskussion zwischen Kritikern und Verfechtern des globalisierten Kapitalismus kam vor zwei Jahren das Buch von Elmar Altvater (EA) Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen gerade zur richtigen Zeit in die Buchläden. Der kompetente Ökonom Altvater unterzieht den Kapitalismus darin einer derart radikalen Kritik, dass den Gladiatoren des freien Unternehmertums das Triumphgeschrei im Halse stecken bleiben müsste. Der 1938 geborenen Altvater, Dr. oec. publ., Professor für Politikwissenschaft (em.) an der FU- Berlin und Redaktionsmitglied von PROKLA, ist durch zahlreiche Veröffentlichungen zur kapitalistischen Entwicklung, zur Staatstheorie, Entwicklungspolitik, Schuldenkrise und zum Zusammenhang von Ökonomie und Ökologie hervorgetreten. Als aufklärerischer Reiseprediger (Oskar Negt) genießt er in Sachen Kritik der politischen Ökonomie heute internationales Ansehen. EA hat in knapp vierzig Jahren ein von Erfahrung gestütztes, hochaktuelles Lebenswerk von gut lesbaren Publikationen geschaffen, dass sich auch durch sein exaktes Wirklichkeitsverständnis angenehm von manchen Publikationen resignierter, enttäuschter Intellektueller unterscheidet, die man ansonsten auf dem 68er Friedhof bundesdeutscher Soziologen und untoter linker Politikwissenschaftler findet.
Um so erstaunlicher, dass EA in den Personenverzeichnissen linker Standardwerke über die 68er, wie z.B. in Uwe Wesels Die verspielte Revolution oder auf den Homepages einschlägiger Fernsehproduktionen, wie z.B. Was war links? nicht auftaucht. Dabei müsste der Name Altvater unter den westdeutschen 68er Linken, die die anatomischen Verhältnisse der Gesellschaft aus dem Blickwinkel von Marx aber doch distanziert und glasklar kritisch beschrieben haben, stets neben Oskar Negt und dem viel zu früh bei einem Autounfall umgekommenen Hans Jürgen Krahl an prominenter Stelle genannt werden.
EA führt den Leser von den inneren Widersprüchen des Kapitalismus über externe Schocks wie das Ende der Ölvorräte zu glaubwürdigen Alternativen. Dabei widerlegt er en passant Fukuyamas These vom Ende der Geschichte wie die Idee vom Kapitalismus als bester aller möglichen Welten. Nach einer knappen Klärung der Begriffe Kapital und Kapitalismus (Begriffe sind der Sesam öffne Dich!" zum Schatz des Wissens) und der Schilderung der vier Formen privater Aneignung im real existierenden Kapitalismus gehts dann zur Sache. EA weist nach, wie die dreifaltige Einheit von Kapitalismus, fossilen Energieträgern und der industriellen Zweck-Mittel-Rationalität einerseits den Wohlstand der (westlichen) Nationen ermöglicht hat, andererseits in eine wirtschaftliche Ungleichheit und Sackgasse der Naturzerstörung geführt hat, aus der nur alternative, angemessene Strategien herausführen.
Leser, die sich an vereinzelten MEW-Zitaten (die blauen Bände!) stören und an der wissenschaftlich trockenen Denkweise stoßen, sollten Altvaters Thesen zum geölten Wachstum schlicht mit den Ausführungen Daniel Yergins in dessen Standardwerk The Prize, the epic quest for oil, money & power, Free Press, New York, 1991, vergleichen. Beide kommen, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen zu dem gleichen Ergebnis. Das Ölzeitalter geht zu Ende. So lautet jedenfalls das siebente Kapitel von Altvaters Buch und er sieht darin für den Kapitalismus, wie wir ihn kennen, einen derartigen Schock, dass der Kapitalismus ihn nicht überleben wird. Im achten Kapitel macht EA einen Lösungsvorschlag, um der herannahenden Katastrophe (Muster: Kathrina und New Orleans) zu entgehen. Als Neoliberalismus von unten soll sich im Rahmen einer solidarischen Ökonomie eine dezentral strukturierte, auf Sonnenenergie basierende solare Gesellschaft entwickeln, die zurück zum menschlichen Maß findet. Vielleicht eine klitzekleine Chance, die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt.
Ein wunderbares Buch mit einem gewagten Schluss. Wer befürchtet nicht, dass sich die von Besitzgier und Genusssucht getriebenen US-Kapitalisten nicht auf einen Energiemix aus Atomkraft (mit ewig strahlenden nuklearen Abfällen) und erneuerbaren Energien werfen und ihr Machtmonopol bis zum Letzten verteidigen? Irgendein CDU-Politiker pflegte bei der Gelegenheit zu rufen:" Ich sage nur China, China, China!" Und tatsächlich hat ja der chinesische Volkskongreß soeben die
Einführung des Privateigentums und dessen Schutz im Riesenreich beschlossen. Was im Westen vielleicht untergeht, könnte im Osten neu entstehen, in noch furchtbarerer Gestalt.
Ich kenne Altvater persönlich nicht. Ich habe vor ein paar Jahren nur die von Michael Heinrich und Dirk Messner herausgegebene Festschrift für Elmar Altvater (Globalisierung und Perspektiven linker Politik Westfälisches Dampfboot, 1998) gelesen. Darin findet sich ein erhellender Beitrag von Bodo Zeuner Das Politische wird immer privater über die neoliberale Privatisierung und die linke Hilflosigkeit, die sich neuerdings in massiven Auflösungserscheinungen der SPD (Hamburg, Wiesbaden, ...) spiegelt. Darin findet sich auch ein rührender Brief von Negt an Altvater zu seinem sechzigsten Geburtstag. Am besten liest man beide Bücher parallel.
Elmar Altvater wird nächstes Jahr siebzig. Menschlich eine wahre Trouvaille, das Lob kann ich mir nicht verkneifen. Ein geistvolles Unikat, das beharrlich eine große und humane Sehnsucht nach einer Welt umtreibt, in der nicht alle Dinge des Lebens, nicht alle Beziehungen der Menschen vom Geld, vom ökonomischen Verwertungszusammenhang verunstaltet sind, wie es der österreichische Schriftsteller K.M. Gauß formulieren würde.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 9. März 2007 | | |
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