Schwarzbuch Kapitalismus: Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft


 
Die lang gesuchte umfassende Erklärung...
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Schwarzbuch Kapitalismus: Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft (Gebundene Ausgabe) ...für fast alle Phänomene der Auswüchse unseres derzeitigen Wirtschaftssystems kann hier gefunden werden.

Klingt plakativ, ist aber wirklich so gemeint: Der Autor erarbeitet Stück für Stück die Gründe für die regelmäßigen Crashs einer kapitalistischen Marktwirtschaft und erklärt u.a.,

- weshalb immer weniger Leute immer mehr Arbeit machen, während andererseits ein riesiges Heer Arbeitsloser entsteht
- weshalb Staatsschulden die letzte große Blase sind und nie zurückgezahlt werden
- weshalb diese Krise anders und übler ist als alle zuvor, da es sich um ein globales Problem handelt (große "Kreisläufe" China-USA und Deutschland - Süd-EU-Länder)
- weshalb der Euro Europa nützt und zugleich massiv schadet
- weshalb totale Inflation oder totale Deflation mit all ihren extrem hässlichen "Nebenwirkungen" unumgänglich sind
- wie sich das Ganze in eine umfassendere Sicht auf u.a. Karl Marx' Lehre einbettet, die eben nicht bloß dessen immer wieder gleichermaßen verwendeten Thesen der jüngeren Historie wiederkäut.

Ja, man kann dieses Riesenwerk auch querlesen, wenn es einem zu lang ist - oder es sich etwas einfacher machen und Robert Kurz' Artikel auf www.exit-online.org studieren. Dann begreift man, wie kaputt unser sich derzeit auflösendes System ist, und vor allem: warum.

Die Ursache für die Konzentration der Arbeit auf wenige Menschen wird im Buch sinngemäß so erklärt: "der Anteil des Sachkapitals, welches keine Werte neu schafft sondern nur reproduziert, wächst auf Grund der durch Konkurrenzdruck verursachten Rationalisierung ständig an, wodurch letztlich die Anlagerendite des Kapitals in der Realwirtschaft unter eine lohnende Schwelle sinkt, was zu Blasen und dem finalen Crash führt".
Mir persönlich war diese Sicht neu (besonders die Erkenntnis, dass nur Menschen und nicht Maschinen dem Verständnis des Autors nach einen Mehrwert schaffen können). Ich empfinde die Argumentation, besonders mit der Konkurrenz als Ursache, jedoch als schwächer als die Erklärung mit erzwungenem Wirtschaftswachstum durch das Zinseszinssystem. Ist die Kritik des Autors dadurch zwar noch fundamentaler als die z.B. Silvio Gesells (der zentral verwendetes Geld nicht abschaffen möchte, sondern durch ein Geld mit eingebautem Wertverlust ersetzen), wird mir dies dennoch nicht sofort so plastisch. Bin ich damit allein? In jedem Fall kommt das Wort "Zins" an den entscheidenden Stellen überhaupt nicht vor; das Buch beinhaltet Kritik am Geld selbst, nicht am Zins - das muss man erstmal verdauen.

Hier meine zentrale Kritik an diesem umfassenden und lesenswerten Werk:

- Die Sprache ist sehr komplex, der betrachtete Horizont riesig und die Zusammenhänge zwar äußerst umfassend, aber dadurch auch ohne tiefgehende Vorbildung schwer zu verdauen. Wer geisteswissenschaftliche/philosophische Wortwahl nicht gewöhnt ist wie ich, MUSS einfach Absätze querlesen, da sich sonst kein Bild im Kopf ergibt und man nur zäh vorankommt. Die zentralen Aussagen ließen sich meiner Ansicht nach massiv raffen, indem man weniger ins Wissenschaftliche abdriftete, ohne dabei an Prägnanz zu verlieren. Jemand, der gar keine Ahnung von der Materie hat, ist bereits mit dem Vorwort überfordert - es ist aber aus meiner Sicht dringend nötig, dieses Wissen in der breiten Masse zu verbreiten, um die neue Zeit gestalten zu können! Vielleicht wäre hier ein "Schwarzbuch Kapitalismus für Dummies" eine lohnende Sonderausgabe.

- Wenn man begriffen hat, wie treffsicher hier unser System zerlegt wird, kommt schnell die Frage auf: "Was ist denn nach Meinung des Autors die Lösung?". Der Autor lässt den Leser hier bewusst allein; Begründung ungefähr: "jedes vorgefertige Rezept kommt höchstwahrscheinlich aus einer seit hunderten Jahren indoktrinierten Sicht von innerhalb des Systems und wäre daher unbefriedigend, da das System incl. aller Denkweisen weg muss." So richtig es ist, dass wir ganz neue Wege brauchen, so schade ist es, dass man von demjenigen, welcher das System abschaffen möchte, als Denkanstoß nur den 3 seitigen Hinweis auf ein Rätesystem bekommt. Der geneigte Leser, welcher vielleicht kein brillanter Revolutionsdenker ist aber dennoch gern die neue Zeit mitgestalten möchte, fühlt sich hier ein wenig alleingelassen.

Ich gebe daher bewusst keine 5 Sterne. Möge sich jemand an eine geraffte Darstellung machen, diese bekäme sie dann :-). Wer jedoch ein gutes Grundgerüst und Zeit zum Lesen mitbringt: Bitte lesen, verdauen - und handeln!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. Mai 2011
Kundenrezensionen:
3. Die lang gesuchte umfassende Erklärung... (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Ein Buch, das nicht an der Oberfläche kratzt
1. Ein Volltreffer!
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